Projekt Das Erbe der Reformation
Die Reformation 500 Jahre nach
ihrem Beginn neu gelesen

     Was war die Reformation des 16. Jahrhunderts? Wie wurde sie im Laufe der Jahrhunderte gesehen? Was sagt sie uns heute, im 21. Jahrhundert? Dies sind die drei Perspektiven, die das historisch-religiöse Forschungsprojekt „Das Erbe der Reformation. Die Reformation 500 Jahre nach ihrem Beginn neu gelesen“ angehen will, um ein immer besseres Verständnis nicht nur der historischen und religiösen Dynamik anzuregen, die im 16. Jahrhundert in Erscheinung trat, sondern auch des Prozesses, durch welchen diese Dynamik gemeinsames Erbe wurde mittels teilweise ideologischen und konfessionellen Lesarten unterworfenen Vorgehensweisen, die zur Kristallisation einiger Aspekte und zur Verschleierung anderer führten.

      Es handelt sich also um die Erforschung eines Verständnisses der Reformation, welches uns erlaubt, das Zeitalter der Gegensätze und der vereinfachenden Lesarten und Interpretationen definitiv hinter uns zu lassen, um die Wiederherstellung des theologischen Reichtums  und des spirituellen und kulturellen Erbes zu fördern, das eine mehr als je zuvor notwendige Hinterlassenschaft zur Verbesserung des historischen Gedächtnisses und zum Aufbau einer auf menschlichen Werten fundierten globalen Gesellschaft darstellt.

 

      Das Projekt wird in drei Phasen von Forschung und Studium durchgeführt:

a) wie sich die Reformation des 16. Jahrhunderts mit dem Aufeinandertreffen und der Konfrontation von religiösen und sozialen Reformvorschlägen entwickelt hat. Es scheint uns angemessen, uns diesem schon mehr als ausreichend untersuchten Universum aus Anlass der Feier des 500. Geburtstages zu einem besseren Verständnis zuzuwenden. Dabei werden wir mit der Vorstellung einiger Protagonisten wie Martin Luther (1483-1546), Philipp Melanchthon (1497-1560), Ulrich Zwingli (1484-1531), Johannes Calvin (1509-1560), Matthias Flacius Illyricus (1520-1575), Juan de Valdes (1505-1541), Miguel Servet (1511-1553), Reginald Pole (1500-1558), Fausto Socino (1539-1604) und Menno Simons (1496-1561) aus verschiedenen Ortschaften wie Wittenberg, Genf, Basel, Lucca, München, Trient und Venedig und verschiedener Texte wie des „Augsburger Bekenntnisses“ (1530), der „Institutio cristianae religionis“ (1536), der „Sette Dialoghi“ (1540), des „Beneficio di Cristo“ (1543) und der „39 Glaubensartikel“ (1562), um nur einige zu nennen, beginnen;


b) die Art und Weise, wie die Reformation des 16. Jahrhunderts im Laufe der Jahrhunderte gelesen, von neuem gelesen und interpretiert wurde, mit einer Fülle von Interventionen, die über das eigentliche Feld theologischer Reflexion hinausgehen; im Zusammenhang ihrer religiösen und kulturellen Bedeutung scheint es interessant zu sein, zu untersuchen, wie die Reformation des 16. Jahrhunderts von Männern und Frauen im Laufe der Geschichte gelesen wurde, wie etwas von Voltaire (1694-1778), Denis Diderot (1713-1784), Friedrich Engels (1820-1895), Giuseppe Garibaldi ((1807-1882), Helder Camara (1909-1999) und Johannes Paul II (1920-2005), um nur einige Beispiele zu nennen. Unter dieser Perspektive liegt das besondere Interesse bei der Neulesung der Reformation durch die Generationen von Evangelischen, die folgten, unter Betonung von alten und der Einführung von neuen Einzelheiten unter Einbeziehung des Beitrags der Pfingstgemeinden und Neo-Pfingstgemeinden der letzten 150 Jahre. Für ein besseres Verständnis dieser Sichtweise könnte man mit der Frage beginnen, wie innerhalb des Universums der Reformation verschiedene Gestalten der Vergangenheit wie Aristoteles, Cicero, Konstantin, Augustinus, Bernhard, Franziskus, Petrus Valdes, John Wycliff, Jan Hus und Savonarola neu gelesen wurden, um zu verstehen, wie sie unserer Gegenwartskultur übermittelt wurden;


c) was sagt die Reformation dem 21. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung gewisser Fragen, wie der nach religiöser Freiheit, der Autorität der Bibel, der Dialektik Reformation-Revolution, des Verhältnisses zwischen den verschiedenen Lektüren der Reformation und der zeitgenössischen ökumenischen Bewegung, den ethischen Vorstellungen der Reformation in der heutigen Gesellschaft? Diese Themen sind wesentliche Elemente nicht nur für das tägliche Leben der christlichen Gemeinden, sondern auch für die lebhafte Debatte über die Neudefinition einer Gesellschaft, in der die Verstärkung der inter-religiösen und interkulturellen Dimension nur unter dem vollständigen Verständnis der Pluralität der Identitäten vollzogen werden kann, die Teil des theologischen und kulturellen Erbes der Reformation des 16. Jahrhunderts sind.

  Das Projekt, das eine Gelegenheit wissenschaftlicher Zusammenarbeit zwischen akademischen Institutionen verschiedener Länder sowie auch zwischen einzelnen Forschern sein will, soll Folgendes hervorbringen:

1. Ein Internetportal, in das die Fortschritte und Resultate der Forschung gestellt werden können, mit Raum für Diskussion und Debatte.
2. Die Durchführung zweier Konferenzen zur Vertiefung der drei Punkte des Projekts; die zwei Konferenzen sollen im Laufe des Jahres 2017 an zwei unterschiedlichen Orten durchgeführt werden, die von zwei direkt an dem Projekt beteiligten Institutionen gefördert werden (Im Februar in Italien und im Oktober/November in Brasilien).
3. Die Veröffentlichung einer Sammlung von E-books mit Studien und Forschungen, die mit dem Projekt zusammenhängen.

    Gerade wegen des interdisziplinären, interkonfessionellen und internationalen Charakters des Projekts wird die Aufstellung eines wissenschaftlichen Komitees vorausgesetzt, welches sich aus von den an der Forschung und der Erlangung der notwendigen intellektuellen und ökonomischen Ressourcen direkt beteiligten Institutionen vorgeschlagenen Forschern zusammensetzt.

Übersetzung: Veronika Küper Nobrega

EVENTOS / EVENTI

Coleção de E-Books
Herança da Reforma / ​
Eredità della Riforma
2016-2018
Colloquio internazionale
Rileggere la Riforma
Firenze, 20-22 febbraio 2017
Congresso internacional
Atualidade da Reforma
Recife, 8-10 de novembro de 2017

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